Erfahrungsbericht 2
Erfahrungsbericht 1

Bulli war für uns eine echte Hilfe!

2004 vertraute mein Sohn mir sein Geheimnis an.
Wenn man an ein Geheimnis denkt, denkt man erst einmal an etwas Schönes, Positives.
So dachte  auch ich, doch es kam ganz anders.

Mein Sohn erzählte mir, was sein Onkel mit ihm gemacht hat, wie er ihn sexuell missbrauchte.

Ohnmächtig steht man daneben, hilflos, leer, voller Wut, Traurigkeit und Demütigung.

Man weiß erst nicht, wie es weitergehen soll.

Doch wir haben unsere Erfahrungen gemacht. Wurden von A nach Z geschickt.
Keiner fühlte sich verantwortlich. Man hatte das Gefühl, niemand wollte mit dieses Thema in Berührung kommen. Von Empörung bis Betroffenheit jedoch auch von Ignoranz bis zur Stigmatisierung erlebten wir sehr unterschiedliche Reaktionen. Abgründe taten sich vor uns auf.

Doch es gab auch Menschen die sich dem Thema stellten.

So kamen wir mit Hilfe unserer Krankenkasse an die „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V.“ und somit an Schutzbär Bulli und Herrn Johannes Heibel.

Schritt für Schritt sahen wir ein kleines Licht am Ende des Tunnels.

Herr Heibel und sein „Partner“, Schutzbär Bulli, haben uns während einer schweren Zeit sehr zur Seite gestanden. Die Anwesenheit in verschiedenen Situationen gab meinem Sohn das Gefühl von Sicherheit, was ihm, uns, sehr geholfen hat.  

Herr Heibel hat uns nicht nur zuhause besucht auch telefonisch stand er für uns jederzeit zur Verfügung um etliche Gespräche zu führen und nicht nur das.

Er kümmerte sich um auch um ortsnahe Unterstützung für uns.

Zum Beispiel vermittelte er für meinen Sohn und mich angemessene therapeutische Hilfe und einen Rechtsbeistand. Er begleitete uns zu wichtigen Terminen, wie Jugendamt, Schule,  Kindertagesstätte  und Gericht.

In der richterlichen Vernehmung bestand mein Sohn noch auf der Anwesenheit von Schutzbär Bulli. Dagegen hatte seine Stabilität und sein Selbstbewusstsein unmittelbar vor der späteren Hauptverhandlung so zugenommen, dass er seine Aussage im Prozess ohne Bulli’s Hilfe machen wollte. Sogar mit der Anwesenheit des Täters, also sein Onkel, erklärte er sich einverstanden. Bulli wartete in dieser Zeit auf dem Gerichtsflur. 

Dies alles gab uns Kraft und Bestätigung, dass es richtig war,  eine Anzeige zu machen und den Täter damit zu stoppen.

Bulli half meinem Sohn während seiner schweren Zeit auch mit seinem Buch und seiner CD. Mein Sohn spürte, dass er nicht alleine mit seinem Schicksal war, dass es auch andere Kinder gab, denen so etwas schon passiert ist. Er war stolz, dass er genauso wie Tim den Mut hatte, sich seiner Mama anzuvertrauen.

Auch wenn mein Sohn dadurch viele Familienmitglieder und Bekannte verloren hat, hat er dadurch auch wiederum Menschen kennen gelernt, die zu ihm hielten und seinen Mut bewunderten,  ihm klar machten, dass er richtig gehandelt hat. Das gab ihm wieder Selbstvertrauen und Kraft, das alles durchzustehen. Was den Täter angeht, so wurde dieser zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Die Strafe wurde auf Bewährung ausgesetzt, obwohl der Angeklagte bis zum Schuss die Taten leugnete. Das Urteil ist rechtskräftig.

Es ist lobenswert wie sich die „Initiative gegen Gewalt… e.V.“, also Schutzbär Bulli, Herr Heibel mit samt seiner Familie und weiteren ehrenamtlichen Helfern engagiert und sich auch in der Öffentlichkeit für den Kinder- und Jugendschutz einsetzt.

Unser Schlusswort

Wir danken Schutzbär Bulli, Herrn Heibel und alle die hinter ihm stehen. Denn diese Menschen stehen auch alle hinter denen, die den Mut aufbringen, das Richtige zu tun, den oder die Täter anzuzeigen.

Wir wollen aber auch realistisch sein und darauf hinweisen, dass es nie wieder die Normalität geben wird, die es vor dem Verbrechen gab. Dennoch sind wir auf einem gutem Weg, wieder eine vernünftige Lebensqualität zu erreichen. Es lohnt sich also in jedem Fall nicht aufzugeben und sich zu wehren.    

Gebt nicht den Tätern immer wieder eine neue Chance, sondern kümmert euch besser intensiver um die Opfer! 

20.8.2008

Silvie und Sohn