| Heike Finke | ||
| Ruth Streit-Stifano Esposito |
Es kommt ganz sicher nicht häufig vor, dass mich Dinge, die mir eigentlich bekannt sind, dennoch überraschen. Gleichwohl erging es mir aber genau so, als ich das erste Mal ein gedrucktes Exemplar des Buches "Schutzbär Bulli" in den Händen hielt. Klar, der Sachinhalt, die Struktur, die Entwürfe zu den Zeichnungen, die Rahmenhandlung und die Dialoge, alles war mir bereits vorher vertraut. Fußend auf langjährige Kontakte und eine vertrauensvolle Kooperation sowie einer klaren gemeinsamen Linie zur Thematik sexualisierte Gewalt allgemein und den Missbrauchstaten an Kindern im Besonderen, bot sich mir durch Herrn Heibels Initiative die Gelegenheit, das Buchprojekt aus kriminologischer und polizeifachlicher Sicht mit zu betreuen. Daher wusste ich, wie das angestrebte Produkt in etwa aussehen würde bzw. sollte. Und dennoch, mit einer derart rundum gelungenen, geradezu perfekten Ausgabe konnte selbst ein Optimist nicht rechnen. Hier stimmt einfach
alles. Dabei handelt es sich bei der Geschichte, die das Buch erzählt,
um einen in die Tiefe gehenden Problemsachverhalt, also schwer verdauliche
Kost. Der Zugang zum Kernbereich des Inhaltes wird jedoch durch die sensible
und altersgerechte Art der Dialoge, die greifbare und begreifbare Rahmenhandlung
und nicht zuletzt über die sympathiegetragene Gestaltung der umrahmenden
Bebilderung in einer geradezu einzigartigen Symbiose dann doch elegant
geebnet. Die Sorgen, Nöte und Ängste der Betroffenen werden reflektiert, ebenso die Zweifel, Selbstzweifel und Momente der Verzweifelung. Nie jedoch, ohne sachgerechte und vor allem gangbare Wege der Lösung aufzuzeigen und anzubieten. Dabei ist nicht immer der vermeintlich einfachste Weg auch der beste und nicht immer ist die Zeit schon reif für die Chance, den richtigen Weg auf Anhieb zu finden. Ja, so ist das eben. Warum sollte es den Figuren im Buch anders ergehen als den Menschen im richtigen Leben?! Man merkt der Ausgabe Schutzbär Bulli an, dass hier viel Sachverstand, Mühe und Geduld aufgewendet wurden, um Fehler zu vermeiden und ein anspruchsvolles Thema nicht plakativ, sondern empathisch anzugehen. Das hat sich gelohnt. Dem letztlich erzielten Niveau passen sich das Layout und der hervorragende Druck, insbesondere die Qualität der Farbgebung bei der Bebilderung, nahtlos an. Es kommt zwar öfter
vor, dass ich Gelegenheit erhalte Bücher zu rezensieren, noch nie wäre
es mir aber bis dato in den Sinn gekommen, einen Verfasser zu seinem Werk
zu beglückwünschen. Im vorliegenden Falle tue ich es! Das Buch ist vorbehaltlos
zu empfehlen. Eines will mir jedoch nicht aus dem Kopf: Bei der Vielschichtigkeit
der bekannten und anzusprechenden Probleme zu dem Sachbereich „sexualisierte
Gewalt an Kindern“ erscheint eine Fortsetzung der Erlebnisse mit ‚Bulli'
nicht nur denkbar, sondern fast schon Auftrag zu sein?! Jörg-Michael Klös |