Prof. Dr. B. Blanz
Prof. Müller-Luckmann
Jörg-Michael Klös
Heidi Günther
Claudia Maria Fliß
Heike Finke
Ruth Streit-Stifano Esposito    

Jörg-Michael Klös

Kriminaldirektor, Polizei Berlin

 

 


Buchbeschreibung zur Ausgabe "Schutzbär Bulli"

Es kommt ganz sicher nicht häufig vor, dass mich Dinge, die mir eigentlich bekannt sind, dennoch überraschen. Gleichwohl erging es mir aber genau so, als ich das erste Mal ein gedrucktes Exemplar des Buches "Schutzbär Bulli" in den Händen hielt.

Klar, der Sachinhalt, die Struktur, die Entwürfe zu den Zeichnungen, die Rahmenhandlung und die Dialoge, alles war mir bereits vorher vertraut. Fußend auf langjährige Kontakte und eine vertrauensvolle Kooperation sowie einer klaren gemeinsamen Linie zur Thematik sexualisierte Gewalt allgemein und den Missbrauchstaten an Kindern im Besonderen, bot sich mir durch Herrn Heibels Initiative die Gelegenheit, das Buchprojekt aus kriminologischer und polizeifachlicher Sicht mit zu betreuen. Daher wusste ich, wie das angestrebte Produkt in etwa aussehen würde bzw. sollte. Und dennoch, mit einer derart rundum gelungenen, geradezu perfekten Ausgabe konnte selbst ein Optimist nicht rechnen.

Hier stimmt einfach alles. Dabei handelt es sich bei der Geschichte, die das Buch erzählt, um einen in die Tiefe gehenden Problemsachverhalt, also schwer verdauliche Kost. Der Zugang zum Kernbereich des Inhaltes wird jedoch durch die sensible und altersgerechte Art der Dialoge, die greifbare und begreifbare Rahmenhandlung und nicht zuletzt über die sympathiegetragene Gestaltung der umrahmenden Bebilderung in einer geradezu einzigartigen Symbiose dann doch elegant geebnet.
Das ist unbestritten eine tolle Leistung: Einerseits die Thematik auf den Punkt zu bringen ohne andererseits den erhobenen Zeigefinger zu strapazieren!

Die Sorgen, Nöte und Ängste der Betroffenen werden reflektiert, ebenso die Zweifel, Selbstzweifel und Momente der Verzweifelung. Nie jedoch, ohne sachgerechte und vor allem gangbare Wege der Lösung aufzuzeigen und anzubieten. Dabei ist nicht immer der vermeintlich einfachste Weg auch der beste und nicht immer ist die Zeit schon reif für die Chance, den richtigen Weg auf Anhieb zu finden. Ja, so ist das eben. Warum sollte es den Figuren im Buch anders ergehen als den Menschen im richtigen Leben?!

Man merkt der Ausgabe Schutzbär Bulli an, dass hier viel Sachverstand, Mühe und Geduld aufgewendet wurden, um Fehler zu vermeiden und ein anspruchsvolles Thema nicht plakativ, sondern empathisch anzugehen. Das hat sich gelohnt. Dem letztlich erzielten Niveau passen sich das Layout und der hervorragende Druck, insbesondere die Qualität der Farbgebung bei der Bebilderung, nahtlos an.

Es kommt zwar öfter vor, dass ich Gelegenheit erhalte Bücher zu rezensieren, noch nie wäre es mir aber bis dato in den Sinn gekommen, einen Verfasser zu seinem Werk zu beglückwünschen. Im vorliegenden Falle tue ich es! Das Buch ist vorbehaltlos zu empfehlen. Eines will mir jedoch nicht aus dem Kopf: Bei der Vielschichtigkeit der bekannten und anzusprechenden Probleme zu dem Sachbereich „sexualisierte Gewalt an Kindern“ erscheint eine Fortsetzung der Erlebnisse mit ‚Bulli' nicht nur denkbar, sondern fast schon Auftrag zu sein?!
Ich hoffe darauf und würde mich über weitere Ausgaben dieses Produktes sehr freuen."

Jörg-Michael Klös
Februar 2005