Prof. Dr. B. Blanz
Prof. Müller-Luckmann
Jörg-Michael Klös
Heidi Günther
Claudia Maria Fliß
Heike Finke
Ruth Streit-Stifano Esposito    

Claudia Maria Fliß

Diplom-Psychologin,
Psychologische Psychotherapeutin,
Supervisorin BDP

 

Buchbeschreibung zur Ausgabe des Kinderbuches „Schutzbär Bulli“

Im Buch „Schutzbär Bulli“ von Johannes Heibel und Martyna Baja wird in Form einer Geschichte die Aufdeckung eines sexuellen Missbrauchs an einem achtjährigen Jungen in einfühlsamer und fachlich kompetenter Weise dargestellt. Dazu wird sorgsam und ausführlich die Hilfestellung beschrieben, die ein betroffenes Kind benötigt. Die Hilfestellung wird in ihrem Vorgehen fachlichen Anforderungen gerecht, die alle Fachpersonen betreffen, die mit einem betroffenen Kind zu tun haben, von der ersten Person, die aufmerksam darauf reagiert, dass ein Kind Probleme hat, über die helfende Bezugsperson, hier die Mutter, die Polizei, die Begutachtung zur Glaubhaftigkeit der Aussage eines Kindes, über die Gerichtssituation bis zur Therapie, die die Folgeerscheinungen beim Kind erfolgreich beseitigt.

Im Buch wird einfühlsam geschildert, wie ein betroffenes Kind sich fühlt und wie es sich in der Folge verhält. Dabei werden häufig vorkommende Symptome und Verhaltensweisen bei Kindern gewählt, die in anderen Fällen durchaus auch in anderen Formen auftreten können. Im Buch reagiert das Kind Tim mit sozialem Rückzug, psychosomatischen Beschwerden in Form von Bauchschmerzen, mit Ängsten, Schulschwierigkeiten, Alpträumen und den häufig auftretenden Schuld- und Schamgefühlen. Auch die im Verlauf der Aufdeckung eines sexuellen Missbrauch innerhalb der Familie entstehenden Belastungen eines Kindes mit dem Verlust einer Bezugsperson und der emotionalen Belastung eines helfenden Elternteils werden deutlich, aber ebenso auch ein konstruktiver Umgang damit.

Im Buch kommt die Hilfe von außen durch eine Spielzeugfigur, mit der Kinder gut umgehen können, da es Menschen sind, die ihnen Gewalt angetan haben. Diese Figur des Bulli erkennt an den Signalen des Kindes, dass es Hilfe braucht. Die Figur Bulli zeigt im Weiteren bei seiner Hilfestellung für das Kind ein qualifiziertes Vorgehen, wie es bei helfenden Personen wünschenswert wäre: vorsichtig und sorgsam und nicht übereilt. Fragen werden an das Kind in offener Form gestellt, so dass für ein später folgendes Gerichtsverfahren das dort erforderliche Vorgehen mit berücksichtigt wird und der Vorwurf einer suggestiven Herangehensweise nicht entstehen kann. Es ist häufig ein sensibler Balanceakt, hilfreich auf ein Kind zuzugehen, ihm Zeit und Raum zu geben, dass es von sich aus über Gewalterlebnisse sprechen kann, ohne das Kind mit eigener Ungeduld und eigenen Ängsten und Unsicherheiten zu belasten oder zu beeinflussen. Bei dem im Buch dargestellten Vorgehen wird der auf die Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs folgende Gerichtsprozess gut vorbereitet.

Die für Eltern von betroffenen Kindern erforderliche Hilfestellung wird exemplarisch dargestellt, ebenso exemplarisch ist das Vorgehen aller beteiligten Fachpersonen mit ihren jeweils unterschiedlichen Arbeitsaufträgen gut beschrieben. Auf eine realistische Weise werden alle schwierigen Schritte aufgezeigt, die für die Aufdeckung, eine Anzeige und ein Gerichtsverfahren für ein Kind anstehen und bei denen es qualifiziert und sensibel begleitet werden muss. Die vielfachen Belastungen des Kindes können anhand dieses Buches gut eingeschätzt werden, so dass betroffene Eltern oder Fachpersonen bezüglich der ihnen anvertrauten Kinder im Vergleich dazu betrachten können, inwieweit diese diesen Belastungen Stand halten können oder dies ihnen nicht oder noch nicht zugemutet werden kann.

Ermutigend wird im Buch weiterhin beschrieben, wie entlastend sich das Brechen des Schweigegebotes, der Mut zur Anzeige, das Berichten von Details beim Gutachten und die durch eine Bestrafung des Täters entstehende Gerechtigkeit sowie auch eine therapeutische Verarbeitung der Erlebnisse auf das Kind auswirken. Dies macht allen Beteiligten Mut, diesen Weg trotz aller Belastungen zu gehen. "

Claudia Maria Fliß
Februar 2005